Im November 2021 habe ich mein Designstudium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach abgeschlossen. Mit ganz viel Stolz möchte ich hier auch meine theoretische Diplomarbeit teilen. Meine Kernthese war: Das digitale Zusammenkommen macht dem urbanen öffentlichen Raum als Ort der Begegnung keine Konkurrenz. Das Design für öffentlichen Raum wird in der Informationsgesellschaft umso wichtiger.
Auf dieser Blog-Seite wird zunächst die Zusammenfassung als Text angezeigt, anschließend der Link zur Arbeit als Online-Publikation.
die Prüfung in der Corona-Zeit ;-)
Bis ins Jahr 2050 werden voraussichtlich mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Durch den Populationsanstieg wird der urbane öffentliche Raum zunehmend an Bedeutung gewinnen, da die Menschen sich in ihm bewegen, aufhalten und letztendlich dort ihr städtisches Leben führen. Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bringt der Gesellschaft viele neue Möglichkeiten, stellt sie aber auch vor zahlreiche Herausforderungen.
Mit dieser Arbeit sollte zum einen ermittelt werden, ob die Durchdringung der IKT dem urbanen öffentlichen Raum als dem Ort der Begegnung Konkurrenz macht. Zum anderen sollte geklärt werden, welchen Anforderungen das Design für öffentlichen Raum genügen muss.
In der vorliegenden Arbeit wurde zunächst die historische Entwicklung der Stadtplanung dargestellt. Anhand von repräsentativen Beispielen wurden die gegenwärtigen vorherrschenden Prinzipien für die Gestaltung des urbanen öffentlichen Raums aufgezeigt, die Bedeutung eines an Menschen orientierten Designs wurde offensichtlich. Städtischer öffentlicher Raum sollte wie ein gemeinsames Wohnzimmer fungieren. Anschließend wurde ein Überblick über die zukünftige Informationsgesellschaft gegeben. Bis zu diesem Stadium befindet sich die Gesellschaft noch in einem Prozess der Informatisierung. Bei diesem sozialen Wandel verschwimmt die Grenze zwischen dem Online- und Offline-Zustand zunehmend, die Menschen entwickeln neue Verhaltensmuster. Besonders interessant zu beobachten ist die Gestaltung und Pflege der digitalen Identität des Einzelnen. Die Erkenntnisse aus diesen beiden Bereichen – über die Entwicklung der Stadtplanung und die Informationsgesellschaft – können helfen, die Anforderungen an das Design für öffentlichen Raum in der zukünftigen Informationsgesellschaft zu definieren.
Drei Aspekte wurden sodann dargelegt, warum das Design für öffentlichen Raum in der zukünftigen Informationsgesellschaft umso wichtiger wird: Menschen sind der Schlüssel zur Informatisierung der gebauten Umwelt. Sie dienen als Verknüpfung zwischen dem physischen Raum und seiner Abbildung in der Infosphäre. Ein schlecht gestalteter urbaner Raum wird keine Menschen anziehen, er taucht infolgedessen wenig bis gar nicht in der Infosphäre auf. Des Weiteren gehen Menschen intuitiv dorthin, wo „etwas los ist“. Dieses Phänomen lässt sich nicht nur in der analogen Welt, sondern auch in der digitalen Welt beobachten. Die in sozialen Medien geteilten Erlebnisse sind in der Regel attraktiv und ziehen deswegen immer mehr Menschen an. Gutes Design macht den öffentlichen Raum also sowohl online als auch offline zu einem Hotspot, den man gerne besucht. Zu guter Letzt sollte öffentlicher Raum eine Bühne für Selbstdarstellung anbieten, deren Zuschauer*innen sich sowohl in Präsenz als auch in digitalen sozialen Netzwerken befinden. Das neue Online-Verhalten wie z.B. das Teilen von Fotos kann die Identität eines urbanen Raums mit der eigenen persönlichen Identität so direkt wie nie zuvor verbinden. Das Design der Stadtlandschaft prägt dank des Einsatzes der IKT nicht nur die Identität des analogen Raums selbst und ebenso die der Stadt, sondern durchaus auch die Identität der einzelnen Bewohner*innen.
Abschließend kann folgendes Fazit gezogen werden: Es ist nicht zu befürchten, dass das digitale Zusammenkommen in der näheren Zukunft dem urbanen öffentlichen Raum als Ort der Begegnung Konkurrenz macht. Sehr wohl aber spielt das Design für öffentlichen Raum eine tragende Rolle. Denn nur gutes Design wird gewährleisten, dass der öffentliche Raum sowohl in der analogen als auch in der virtuellen Sphäre belebt bleibt bzw. immer belebter wird und somit konstant aufgesucht wird.